Amazon als Verkaufsbooster: So startet man als Händler auf der Plattform

von Robert Nabenhauer

Als aktiver oder angehender Händler im E-Commerce steht einem eine riesige Auswahl an völlig unterschiedlichen Vertriebskanälen zur Verfügung. Man könnte nun meinen, dass der Umsatz direkt von der Anzahl an Vertriebswegen abhängt. In Wahrheit bringt es aber ziemlich wenig, direkt alle Kanäle zu bespielen, da sich jeder Verkaufskanal für bestimmte  Geschäftsmodelle besser oder schlechter eignet und eine unterschiedliche Zielgruppe anspricht. Trotzdem gibt es einen Marktplatz, der vom E-Commerce nicht mehr wegzudenken ist, nämlich Amazon. 

Im Jahr 2020 fielen mehr als 50 %  der Umsatzanteile im deutschen E-Commerce auf Amazon zurück. Aus dieser Statistik geht ebenfalls hervor, dass ein Großteil dieses Umsatzes nicht durch Amazon selbst, sondern durch die tausenden Dritthändler entstanden ist, die den Amazon Marketplace als Vertriebskanal für ihre Produkte verwenden. Aber was macht Amazon für Dritthändler eigentlich so attraktiv? 

Amazon ist nicht einfach nur ein Mittelsmann zwischen Händlern (wie z.B. Ebay), sondern eine eigene Marke, der Millionen von Kunden vertrauen. Versandzeiten, Kundensupport und Rückgabebedingungen sind standardisiert und werden bei der Teilnahme am FBA Programm sogar von Amazon übernommen. Ein Produkt auf Amazon strahlt also eine gewisse Seriosität aus, die man sich auf Ebay oder einem Online-Shop nicht so schnell erarbeiten kann. 

Amazon als Verkaufsbooster

Trotzdem ist Amazon nicht pauschal der beste Marktplatz für alle Produkte. Sammlerstücke, Luxusprodukte, Marktneuheiten oder Gebrauchtware (mit Ausnahme von beliebten Markenprodukten) sind eher untypisch für Amazon und daher weniger vertreten. Besonders gut geeignet ist Amazon hingegen für den Aufbau einer eigenen Marke oder den Verkauf von eigens entwickelten Produkten unter einer Cashflow-Brand. Denn bereits mit einem Produkt kann man sich auf Amazon als etablierte Marke präsentieren. 

Wer sich jetzt angesprochen fühlt und über den Start mit Amazon nachdenkt, findet in den nächsten Abschnitten eine Übersicht der wichtigsten Schritte für den Start. Diese sind sowohl relevant für komplette Neueinsteiger, als auch für alle, die bereits Waren auf einem anderen Marktplatz verkaufen und Amazon als Vertriebsweg integrieren möchten. 

Die bürokratischen Voraussetzungen 

Die Gründung eines Unternehmens erfordert ein paar Schritte, die im besten Fall direkt zum Start erledigt werden sollten. Für den Handel auf Amazon kommen noch drei Besonderheiten dazu. Insgesamt sind es 5 Aufgaben: 

  • Die Gewerbeanmeldung kann beim zuständigen Gewerbeamt, entweder digital oder vor Ort erledigt werden. Die Kosten liegen zwischen 15 und 60 €. Das Formular für die Anmeldung ist ziemlich selbsterklärend. 
  • Anschließend steht die steuerliche Erfassung an. Das ist ein umfangreiches Formular vom Finanzamt, welches für die Beantragung einer Steuernummer und Umsatzsteuer ID erforderlich ist. Wichtig: Als Amazon Händler braucht man eine Umsatzsteuer ID und kann auf die Kleinunternehmerregelung verzichten. 
  • Das Geschäftskonto ist der nächste wichtige Schritt auf der To-do-Liste. Hierbei handelt es sich um ein Konto, über welches alle geschäftlichen Transaktionen abgewickelt werden. Am besten meldet man dieses bei einer Online-Bank an.   
  • Um sich auf Amazon zu registrieren, braucht man eine Kreditkarte. Diese erhält man z.B. vom Anbieter des Geschäftskontos oder über ein externes Unternehmen. 
  • Wer gewerblich importiert, braucht eine sogenannte EORI-Nr., um vom Zoll als Gewerbetreibender identifiziert zu werden. Dafür füllt man einfach das Zoll-Formular 0870a aus und schickt es an antrag.eori@zoll.de. 

Verkäuferkonto einrichten 

Das Cockpit für jeden Amazon Seller ist das sogenannte Seller Central. Hier kann man sich registrieren, sobald man Gewerbeanmeldung, Umsatzsteuer ID und Kreditkarte (bzw. Debitkarte) vorliegen hat. Die Anmeldung ist 100 % kostenlos und in wenigen Schritten erledigt. Bevor das Konto aktiviert werden kann, müssen alle Dokumente zur Verifizierung eingereicht werden. Dabei handelt es sich z.B. um Kontoauszüge oder Ausweiskopien. Amazon wird sich melden, falls noch etwas fehlt. 

Verkäuferkonto einrichten

 

Um die Rechtssicherheit des Kontos muss man sich als Verkäufer allerdings selbst kümmern. Auch wenn man seine Produkte bei Amazon listet, schreibt man seinen Kunden eigene Rechnungen und muss Impressum, AGBs, Datenschutzerklärung und Widerrufsbelehrung bereitstellen. Da es aus zeitlichen Gründen unmöglich wäre, jede Rechnung selbst zu schreiben und an seine Kunden zu schicken, nutzt man hierfür ein automatisiertes Rechnungstool wie Easybill, welches über eine Schnittstelle mit Amazon verbunden ist. Auf Amazon zugeschnittene Rechtstexte gibt es ebenfalls für kleines Geld bei verschiedenen Dienstleistern. Der bekannteste Anbieter in diesem Bereich ist die IT-Rechtskanzlei, wo es alle Texte inkl. Haftung für 11,78 € monatlich gibt. 

Markenanmeldung und Brand Registry 

Amazon fokussiert sich immer mehr auf hochwertige Produkte und Marken. Daher werden angemeldete Marken mit vielen zusätzlichen Features belohnt. Da diese Features ziemlich wichtig sind, sollte man unbedingt frühzeitig eine Marke beim DPMA registrieren, da zwischen Anmeldung und Registrierung viel Zeit vergehen kann. DPMA steht für Deutsches Patent- und Markenamt. Hier können Marken für 290 € rechtlich für verschiedene Produktkategorien geschützt werden. Damit darf niemand anderes ein Produkt mit gleichem Markennamen in derselben Kategorie auf den Markt bringen. Ein Markenschutz macht also definitiv Sinn, auch außerhalb von Amazon. Wie man eine Marke in wenigen Minuten online registriert, wird u.a. auf dem YouTube-Kanal von Rolf Claessen ausführlich erklärt. 

Sobald die Marke offiziell registriert ist, kann man sich bei der Amazon Brand Registry anmelden. Das ist nochmal eine andere Amazon Seite, auf der man alle Themen rund um die eigenen Marken verwalten kann (eigener Markensupport, Verstöße melden, Marken mit Verkäuferkonto verknüpfen etc.). Sobald die registrierte Marke genehmigt wurde, können Produkte auf Amazon gestellt und unter dem Markennamen verkauft werden. Wichtig ist natürlich, dass die Produkte auch wirklich zu der Marke gehören, also eine entsprechende Verpackung oder Kennzeichnung haben. Für Reselling, also den Verkauf von anderen Markenprodukten gilt dieser Vorgang nicht. Fremde Produkte können mit wenigen Klicks über die bereits existierenden Listings angeboten werden. Dort erscheinen sie dann unter andere Angebote unterhalb des Angebots.

Markenanmeldung und Brand Registry

 

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von Robert Nabenhauer

Als aktiver oder angehender Händler im E-Commerce steht einem eine riesige Auswahl an völlig unterschiedlichen Vertriebskanälen zur Verfügung. Man könnte nun meinen, dass der Umsatz direkt von der Anzahl an Vertriebswegen abhängt. In Wahrheit bringt es aber ziemlich wenig, direkt alle Kanäle zu bespielen, da sich jeder Verkaufskanal für bestimmte  Geschäftsmodelle besser oder schlechter eignet und eine unterschiedliche Zielgruppe anspricht. Trotzdem gibt es einen Marktplatz, der vom E-Commerce nicht mehr wegzudenken ist, nämlich Amazon. 

Im Jahr 2020 fielen mehr als 50 %  der Umsatzanteile im deutschen E-Commerce auf Amazon zurück. Aus dieser Statistik geht ebenfalls hervor, dass ein Großteil dieses Umsatzes nicht durch Amazon selbst, sondern durch die tausenden Dritthändler entstanden ist, die den Amazon Marketplace als Vertriebskanal für ihre Produkte verwenden. Aber was macht Amazon für Dritthändler eigentlich so attraktiv? 

Amazon ist nicht einfach nur ein Mittelsmann zwischen Händlern (wie z.B. Ebay), sondern eine eigene Marke, der Millionen von Kunden vertrauen. Versandzeiten, Kundensupport und Rückgabebedingungen sind standardisiert und werden bei der Teilnahme am FBA Programm sogar von Amazon übernommen. Ein Produkt auf Amazon strahlt also eine gewisse Seriosität aus, die man sich auf Ebay oder einem Online-Shop nicht so schnell erarbeiten kann. 

Amazon als Verkaufsbooster

Trotzdem ist Amazon nicht pauschal der beste Marktplatz für alle Produkte. Sammlerstücke, Luxusprodukte, Marktneuheiten oder Gebrauchtware (mit Ausnahme von beliebten Markenprodukten) sind eher untypisch für Amazon und daher weniger vertreten. Besonders gut geeignet ist Amazon hingegen für den Aufbau einer eigenen Marke oder den Verkauf von eigens entwickelten Produkten unter einer Cashflow-Brand. Denn bereits mit einem Produkt kann man sich auf Amazon als etablierte Marke präsentieren. 

Wer sich jetzt angesprochen fühlt und über den Start mit Amazon nachdenkt, findet in den nächsten Abschnitten eine Übersicht der wichtigsten Schritte für den Start. Diese sind sowohl relevant für komplette Neueinsteiger, als auch für alle, die bereits Waren auf einem anderen Marktplatz verkaufen und Amazon als Vertriebsweg integrieren möchten. 

Die bürokratischen Voraussetzungen 

Die Gründung eines Unternehmens erfordert ein paar Schritte, die im besten Fall direkt zum Start erledigt werden sollten. Für den Handel auf Amazon kommen noch drei Besonderheiten dazu. Insgesamt sind es 5 Aufgaben: 

  • Die Gewerbeanmeldung kann beim zuständigen Gewerbeamt, entweder digital oder vor Ort erledigt werden. Die Kosten liegen zwischen 15 und 60 €. Das Formular für die Anmeldung ist ziemlich selbsterklärend. 
  • Anschließend steht die steuerliche Erfassung an. Das ist ein umfangreiches Formular vom Finanzamt, welches für die Beantragung einer Steuernummer und Umsatzsteuer ID erforderlich ist. Wichtig: Als Amazon Händler braucht man eine Umsatzsteuer ID und kann auf die Kleinunternehmerregelung verzichten. 
  • Das Geschäftskonto ist der nächste wichtige Schritt auf der To-do-Liste. Hierbei handelt es sich um ein Konto, über welches alle geschäftlichen Transaktionen abgewickelt werden. Am besten meldet man dieses bei einer Online-Bank an.   
  • Um sich auf Amazon zu registrieren, braucht man eine Kreditkarte. Diese erhält man z.B. vom Anbieter des Geschäftskontos oder über ein externes Unternehmen. 
  • Wer gewerblich importiert, braucht eine sogenannte EORI-Nr., um vom Zoll als Gewerbetreibender identifiziert zu werden. Dafür füllt man einfach das Zoll-Formular 0870a aus und schickt es an antrag.eori@zoll.de. 

Verkäuferkonto einrichten 

Das Cockpit für jeden Amazon Seller ist das sogenannte Seller Central. Hier kann man sich registrieren, sobald man Gewerbeanmeldung, Umsatzsteuer ID und Kreditkarte (bzw. Debitkarte) vorliegen hat. Die Anmeldung ist 100 % kostenlos und in wenigen Schritten erledigt. Bevor das Konto aktiviert werden kann, müssen alle Dokumente zur Verifizierung eingereicht werden. Dabei handelt es sich z.B. um Kontoauszüge oder Ausweiskopien. Amazon wird sich melden, falls noch etwas fehlt. 

Verkäuferkonto einrichten

 

Um die Rechtssicherheit des Kontos muss man sich als Verkäufer allerdings selbst kümmern. Auch wenn man seine Produkte bei Amazon listet, schreibt man seinen Kunden eigene Rechnungen und muss Impressum, AGBs, Datenschutzerklärung und Widerrufsbelehrung bereitstellen. Da es aus zeitlichen Gründen unmöglich wäre, jede Rechnung selbst zu schreiben und an seine Kunden zu schicken, nutzt man hierfür ein automatisiertes Rechnungstool wie Easybill, welches über eine Schnittstelle mit Amazon verbunden ist. Auf Amazon zugeschnittene Rechtstexte gibt es ebenfalls für kleines Geld bei verschiedenen Dienstleistern. Der bekannteste Anbieter in diesem Bereich ist die IT-Rechtskanzlei, wo es alle Texte inkl. Haftung für 11,78 € monatlich gibt. 

Markenanmeldung und Brand Registry 

Amazon fokussiert sich immer mehr auf hochwertige Produkte und Marken. Daher werden angemeldete Marken mit vielen zusätzlichen Features belohnt. Da diese Features ziemlich wichtig sind, sollte man unbedingt frühzeitig eine Marke beim DPMA registrieren, da zwischen Anmeldung und Registrierung viel Zeit vergehen kann. DPMA steht für Deutsches Patent- und Markenamt. Hier können Marken für 290 € rechtlich für verschiedene Produktkategorien geschützt werden. Damit darf niemand anderes ein Produkt mit gleichem Markennamen in derselben Kategorie auf den Markt bringen. Ein Markenschutz macht also definitiv Sinn, auch außerhalb von Amazon. Wie man eine Marke in wenigen Minuten online registriert, wird u.a. auf dem YouTube-Kanal von Rolf Claessen ausführlich erklärt. 

Sobald die Marke offiziell registriert ist, kann man sich bei der Amazon Brand Registry anmelden. Das ist nochmal eine andere Amazon Seite, auf der man alle Themen rund um die eigenen Marken verwalten kann (eigener Markensupport, Verstöße melden, Marken mit Verkäuferkonto verknüpfen etc.). Sobald die registrierte Marke genehmigt wurde, können Produkte auf Amazon gestellt und unter dem Markennamen verkauft werden. Wichtig ist natürlich, dass die Produkte auch wirklich zu der Marke gehören, also eine entsprechende Verpackung oder Kennzeichnung haben. Für Reselling, also den Verkauf von anderen Markenprodukten gilt dieser Vorgang nicht. Fremde Produkte können mit wenigen Klicks über die bereits existierenden Listings angeboten werden. Dort erscheinen sie dann unter andere Angebote unterhalb des Angebots.

Markenanmeldung und Brand Registry