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Mein Interview mit Klaus Wenderoth

von Robert Nabenhauer

Robert Nabenhauer:

Herr Wenderoth, stellen Sie sich und Ihr Unternehmen einmal kurz vor. Was tun Sie, was hebt Sie von anderen Unternehmen ab?

Klaus Wenderoth: 1983. Mein Einstieg in die Druckindustrie. Es folgten Stationen wie: Bertelsmann-Mohndruck, Heidelberger Druckmaschinen und Polychrome/Kodak. Zwischendurch: der „staatlich gepr. Drucktechniker“ in Bielefeld. Zum 30. Geburtstag habe ich mir dann einen beruflichen Traum erfüllt:Die erste Gewerbeanmeldung. Ein gutes Gefühl. Ich habe es bis heute nicht vergessen.
2001 dann der Start mit „owl-druck.de“. Daraus wurde erst fünf Jahre später „EuropaDruck.com“. Doch dazu später mehr. Was uns von anderen Unternehmen abhebt? Nun, wir haben nicht das Problem der Vergleichbarkeit, wie viele andere. Mit EuropaDruck.com, waren wir damals „First Mover“. Heute sind wir ganz einfach: „Das Original“ unter den Druckportalen dieser Art.

 

Robert Nabenhauer:

Auf Ihrem Portal bieten Sie europaweite Vergleiche von Druckaufträgen an. Wie kamen Sie zu der Idee für dieses Vergleichsportal?

Klaus Wenderoth: Bei der Geschichte komme ich heute noch selbst ins Schmunzeln. Zur Jahrtausendwende brachte ich selbst noch 3 x jährlich ein Industriemagazin heraus. Damals schon ärgerlich: Der unübersichtliche Markt von Druckereien, Drucksachen und Druckpreisen. Mit ärgern allein ändert sich aber nichts. Also habe ich einem Freund, einem Programmierer, von meiner Idee eines Druckportals erzählt. Sein Lohn: Ein Wakeboard. Sechs Wochen später war die erste Version von „owl-druck.de“ online. Zunächst als Regionalportal für Ostwestfalen-Lippe. Nachdem damals gerade der erste Hype um das Internet zerplatzt war, glaubte kaum jemand an einen Erfolg. Dann setzte aber sehr schnell eine Eigendynamik ein. Nur 3 Jahre später hatten wir in jedem Bundesland leistungsstarke Stützpunktdruckereien. So nennen wir unsere Partner, die wir in unser Netzwerk aufgenommen haben. Seit dieser Zeit wachsen wir gegen den Branchentrend. Und wer tritt dann schon auf die Bremse?

 

Robert Nabenhauer:

Sie sind auf diversen sozialen Plattformen unterwegs. In welchem Netzwerk sind Sie am häufigsten anzutreffen und warum?

Klaus Wenderoth:  Sie haben recht. Auf unserer Webseite sieht man am rechten Seitenrand sehr schnell: EuropaDruck.com verfügt über die verschiedensten Social-Media-Kanäle. Wie oft man wo aktiv ist, muss man erst einmal lernen. Es gibt da eine Vielzahl von Einflussfaktoren aber keine „pauschale Empfehlung“.

Für die richtige „Dosis“ braucht man ein wenig Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Darum geht es. Oder: Was bei Facebook zuviel ist, kann bei Twitter zu wenig sein. Mein persönlicher Favorit ist derzeit Zeit allerdings das Business-Netzwerk XING. Ich habe den Eindruck, dass dort, was die Substanz der Kontakte anbelangt, mit Abstand das größte Potenzial liegt.

 

Robert Nabenhauer:

Klassisches Marketing oder Online-Marketing: Was hat sich für Ihre Unternehmungen bewährt?

Klaus Wenderoth: Da gibt es auch wieder keine einfache Antwort. Zunächst einmal hat sich in den letzten Jahren im Marketing sehr viel getan. Das „ultimative Marketinginstrument“ habe ich bisher nicht kennengelernt. Also, wenn da mal jemand etwas wirklich Überzeugendes zu bieten hat … Ich lasse mich gerne überraschen.

Bis dahin wird es wohl bei einem Marketing-Mix bleiben. Als „Mann der Printbranche“, habe ich natürlich ein Faible für „Gedrucktes“.

Als Kaufmann weiß ich Google Adwords zu schätzen: Vorgegebenes Budget, CPC, Google-Analytics und Conversion-Tracking. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Als Unternehmer, habe ich mir meine Neugier bewahrt. Und: Ich bin auch gerne mal risikofreudig. Beispiel: Ein kurzer Film, eingestellt bei YouTube. Und dann einfach mal schauen, ob sich der gewünschte, virale Effekt einstellt. Wir haben inzwischen schon mehrere Filme produzieren lassen. Sie können sich denken: Nicht ohne Grund. Es funktioniert also.

 

Robert Nabenhauer:

Geben Sie meinen Lesern 3 Tipps für erfolgreiches Unternehmertum?

Klaus Wenderoth:  Ja sicher, sehr gerne!

  1. Zunächst einmal: „Wer alles macht, macht selten alles gut“. Ich halte viel von dieser Regel. Deshalb: Sobald dies wirtschaftlich möglich ist, sollte man sich auf ein Kerngeschäft konzentrieren. Die Kräfte und die Konzentration bündeln und dann beharrlich sein. Man muss von dem was man tut auch selbst absolut überzeugt sein.
  2. Auch ganz wichtig: Neugierig auf andere Menschen sein – und bleiben. Hinschauen, hinhören und lernen. Dabei geht es um das Wissen und das Können anderer. Hinzu kommen die eigenen Ideen und die eigenen Kompetenzen. Erfolgreiche Unternehmer haben es geschafft, mit diesen „Zutaten“ genau die richtige „Erfolgsmischung“ zu finden.
  3. Als Unternehmer, sollte man meiner Meinung nach einen stark ausgeprägten Willen zum Erfolg haben. Das hilft am Anfang, wenn Sie mehr oder weniger der Einzige sind, der an einen Erfolg glaubt. Wenn erst die Neider und Nachahmer da sind, dann wissen Sie: Sie haben schon viel erreicht. Der Wille zum Erfolg hilft in Krisenzeiten, ist eine unerschöpfliche Quelle für immer neue Ideen und treibt Sie immer wieder nach vorne.

 

Und noch ein vierter Tipp: Ein Fehler, den ich selbst gemacht habe: Zu viele Dinge zu spät delegiert. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Fehler, deshalb weise ich hier gerne darauf hin. Nehmen Sie als Beispiel mal den ganzen administrativen Bereich in einer Firma. Wenn Sie als Chef alles selber machen, wie viel Zeit bleibt Ihnen dann noch für die wirklich wichtigen Dinge?

 

Robert Nabenhauer:

In Ihrem Blog interviewen Sie die verschiedensten Menschen, vom Druckprofi bis zum Marketing-Fachmann. Wie knüpfen Sie den Kontakt mit diesen Personen?

Klaus Wenderoth: Ein Interview kommt oft auf sehr unterschiedliche Weise zustande. So kann es sein, das mich jemand auf einen interessanten Menschen aufmerksam macht. Manchmal stoße ich auch in einer Zeitung oder einem Blog auf ein spannendes Thema. Wie auch immer, ich habe kein Problem damit, auf andere Menschen zuzugehen. Wozu gibt es immer noch ein Telefon?

 

Robert Nabenhauer:

Was ist Ihrer Meinung nach eine unverzichtbare Eigenschaft für Unternehmer?

Klaus Wenderoth: Da möchte ich mit einem Zitat eines nicht unumstrittenen Motivationstrainers antworten: „Unsere Art zu denken hat uns zu dem gemacht, was wir heute sind. Die gleiche Art zu denken wird uns also nicht zu dem machen, der wir gerne sein würden.“
Was steckt hinter diesem Zitat? Ein erfolgreicher Unternehmer muss in gewisser Weise viele Eigenschaften in sich vereinigen: Entschlossenheit, die Fähigkeit zur Selbstkritik, Anpassungsfähigkeit, Kreativität. Auch nicht schlecht: Eine gute Beobachtungsgabe für den Markt, in dem man aktiv ist und in dem man auch in Zukunft sein Geld verdienen möchte.

 

Robert Nabenhauer:

Um noch einmal zurück zu Ihrem Vergleichsportal zu kommen: Wie akquirieren Sie neue Druckereien dafür?

Klaus Wenderoth: Die Antwort wird Sie vielleicht verwundern. Wir machen keine aktive Akquise bei Druckereien. Diese erfahren entweder über Ihre eigenen Kunden, unseren Newsletter oder aber über unsere verschiedenen Social-Media-Aktivitäten von uns. Früher oder später erkennt eine Druckerei dann selbst, welcher Nutzen unsere Auftragsdatenbank für sie darstellen kann. Dann meldet sich die Druckerei bei uns. So einfach ist das.

 

Robert Nabenhauer:

Wie behalten Sie bei den verschiedenen Anforderungen des Unternehmertums den Überblick über Geschäftsvorgänge, Kunden Anfragen und der Administration?

Klaus Wenderoth: Das ist tatsächlich nicht immer einfach. Ich kann mich da auch nur noch mal wiederholen: Delegieren Sie viele Aufgaben rechtzeitig. Das schafft die notwendigen Freiräume für wirklich unternehmerisches Handeln. Ich glaube, eine XING-Gruppe hat einen Namen, der es auf den Punkt bringt: „An der Firma arbeiten und nicht in der Firma“. Wichtiger als jede Briefmarke noch selber auf einen Brief zu kleben ist es, den Überblick zu behalten. Genauso wichtig: Für langfristige Erfolge brauchen Sie Kraft. Das gelingt aber nur bei ausreichender Regeneration. Wunderbar, wenn jemand fleißig ist, aber wie viele Jahre kann man 10 oder mehr Stunden täglich arbeiten? So behält niemand auf Dauer den Überblick.

 

Robert Nabenhauer:

Welcher Mensch hat Sie bislang am meisten beeindruckt – und wie?

Klaus Wenderoth: Ich möchte an dieser Stelle aus der beruflichen Sicht antworten: Ich habe großen Respekt und viel Anerkennung für jeden, der mit eigenen Mitteln und aus eigener Kraft ein Unternehmen aufgebaut hat. Ein Mensch, der mich in dieser Hinsicht sehr beeindruckt hat, ist mein Schwiegervater. Er hat in der ehemaligen DDR als Berufsfotograf gearbeitet. Er hat als Selbstständiger ein eigenes Fotofachgeschäft aufgebaut und dazu sogar noch einige Filialen betrieben. Obwohl freie Unternehmer in der DDR nicht gerne gesehen waren, hat er sich bis zur Wende sehr erfolgreich behaupten können. Sie fragen, wie er mich so beeindrucken konnte? Er hat dies alles nicht nur unter den widrigsten Umständen sondern auch ohne Hände geschafft. Diese hat er als junger Mann bei einem Unfall verloren.

Ich bedanke mich bei Herrn Klaus Wenderoth für dieses Gespräch.

Robert Nabenhauer

 

Nabenhauer Consulting – Steinach  

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