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Was kommt nach Xing?

von Robert Nabenhauer

Als Xing im Jahr 2003, damals noch als Open BC, in Deutschland an den Start ging, war es das erste webbasierte Netzwerk für Business-Kontakte. Gemäß dem Motto „Jeder kennt jeden um sechs Ecken“ hatte Xing-Gründer Lars Hinrichs es sich zum Ziel gesetzt, eine Plattform zur Anbahnung von Geschäftskontakten zu schaffen. Zielgruppe von Xing waren Selbstständige wie Angestellte, aber auch Studenten oder Freiberufler. Das Profil der einzelnen Mitglieder bot alle relevanten Informationen zu den fachlichen Kompetenzen und sollte so dem Knüpfen von Businesskontakten und damit letztlich der Neukundenakquise sowie dem Generieren von Aufträgen dienen. Zahlreiche Gruppen, zu verschiedensten Themen, boten den Usern eine Plattform, sich aber auch ihre Leistungen zu präsentieren. Der Hersteller von Anti Virus  Software kann ebenso eine Gruppe eröffnen, wie eine Handvoll Individuen mit ähnlichem Interessengebiet. Mit dem Börsengang im Jahr 2006 nannte sich Open BC in Xing um und begann die Internationalisierung der Plattform.

Nach mittlerweile acht Jahren zählt Xing, inzwischen von Hubert Burda Medien als Hauptgesellschafter betrieben, weltweit 11,1 Millionen Mitglieder. Die Aktivitäten der einzelnen User lassen sich dabei primär in zwei Hauptgruppen unterteilen. Die stillen Mitglieder, die Xing als sich selbst aktualisierendes Kontaktverzeichnis nutzen und die aktiven Xingisten, welche in den Gruppen regen Austausch pflegen.

Manche Xing-Mitglieder der ersten Stunde haben das Business-Netzwerk inzwischen wieder verlassen. Ausschlaggebend hierfür war der teilweise gefühlte Verlust von Seriosität der Businessplattform. Insbesondere die Omnipräsenz verschiedenster User, die sich oftmals in recht barschem Ton öffentlich austauschten, gaben viele als Grund hierfür an. Insbesondere die Arbeitgeberseite stand dem ursprünglichen Business-Netzwerk bald skeptisch gegenüber. So wurden die Beiträge nicht nur unter dem Namen des Arbeitgebers verfasst, sondern dies oftmals auch während der bezahlten Arbeitszeit. In zahlreichen Unternehmen wurden die Arbeitnehmer daraufhin zu einem bedachterem Umgang mit dem Business-Netzwerk angehalten, oftmals der Zugang sogar gesperrt.

Gegenwärtig unterteilt sich die Xing-Community in drei Sparten. Der überwiegende Teil der aktiven Foristen, bestehend aus Selbstständigen, Freiberuflern oder auch Arbeitssuchenden, verbringt einen Großteil des Tages mit Diskussionen, die oftmals wenig oder gar keinen Business-Bezug aufweisen. Ein weiterer Teil der Mitglieder engagiert sich regional und nutzt die Plattform, um beispielsweise Offline-Treffen und Veranstaltungen zu organisieren. Ob und in welchem Volumen dies zum Umsatz beitragen kann bleibt im Regelfall offen, sicherlich dienen derlei Aktionen aber der Steigerung des Bekanntheitsgrades sowie nicht zuletzt auch dem eigenen Ego und Zeitvertreib. Last but not least nutzt ein geringer Anteil der User das Netzwerk tatsächlich zum Vertrieb der eigenen Produkte und/oder Dienstleistungen. Auch hierbei handelt es sich überwiegend um Einzelkämpfer oder praktischerweise Personaldienstleister, deren Vermarktungsstrategie auf den Großteil der Xing-Nutzer abgestimmt zu sein scheint. Insbesondere aber Führungskräfte dürfte man bei Xing längst vergeblich suchen.

Der Grundgedanke von Xing, die Anbahnung von Geschäftskontakten, hat sich offenbar mangels Exklusivität inzwischen weitestgehend von selbst erledigt. Vor allem der Weg über Quantität statt Qualität, zugunsten der Mitglieds- und Umsatzzahlen, hat den Businessgedanken des Netzwerkes zunichte gemacht. Xing ist mangels Qualitätskontrolle zusehends zu einer Plattform für Selbstdarsteller mutiert, deren Online-Leben mit der Realität nicht mehr allzu viel gemein zu haben scheint. So verwundert es nicht, dass die tatsächlichen Entscheider teilweise das Weite gesucht haben.

Nicht zuletzt hat sicherlich auch Facebook seinen Anteil an der Entwicklung bei Xing. Wenn auch hier die Exklusivität fehlt, so bietet Facebook doch eine hervorragende und zudem kostenlose Möglichkeit, sich im Netz zu präsentieren. Auch die Reichweite von Facebook, das nach eigenen Angaben über 750 Millionen Mitglieder weltweit hat, übertrifft Xing längst. Zudem kann die Trennung zwischen der privaten und öffentlichen, resp. geschäftlichen Präsenz deutlich einfacher umgesetzt werden. Abgesehen davon ist Facebook sowohl vom Image, als auch vom Verständnis seiner allermeisten Nutzer eine reine Entertainment-Plattform und Xing ist eben eine Plattform, die eine speziellere Gruppe von Menschen anspricht. Das grundlegende Thema auf Wing ist natürlich Beruf, Karriere und Business. Facebook rückt zwar aktuell immer mehr in den Fokus vieler Unternehmen, die auf große Effekte aus Facebook-Fanpages auf Kundenbindung und Akquise hoffen, doch wie erfolgreich diese Werbestrategien für die Masse der Unternehmen sein wird ist sehr fraglich. Natürlich kann ein Lifestyle generierender, stylische Handys produzierender globaler Konzern mit einem unermesslichen Werbebudget viele Menschen als „Fans“ gewinnen. Was der Krampfhafte Versuch „Fans“ auf Facebook zu generieren einem mittelständischem Unternehmen bringen soll, dessen Produkte nicht emotional in das Leben der Menschen hineingeworben wurde, ist zumindest fraglich.

Xing wird wohl bleiben und zumindest nicht durch Facebook ersetzt werden. Als exklusiver Zirkel kann Xing vielleicht nicht bestehen, aber wie könnte das bei einem offenem Netzwerk auch möglich sein. Führungspersonen werden weiterhin bei Xing eine „Dependance“ besitzen und die wirkliche Vernetzung privat betreiben. Für Angestellte, Freischaffende, Selbstständige, Kreative und Suchende bleibt Xing aber eine wichtige Anlaufstation.

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