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Das Ende von Twitter

von Robert Nabenhauer

Die digitale Welt dreht sich in beinahe unendlicher und für viele Menschen auch unglaublicher Geschwindigkeit. Programme und Produkte, die gestern noch absolut in waren und der Hype überhaupt, geraten durch schnellen technologischen Fortschritt und Wandel nach Kurzem in Vergessenheit. War es vor ein paar Jahren, in Zeiten von ISDN, noch faszinierend, eine Telefonkonferenz abzuhalten, sind heute durch das Breitband-Internet Videotelefonie gang und gäbe. So sind die Wachstumsraten der 2006 gegründeten Anwendung zum Blogging vorbei und es konnten auch niemals die Milliarden-Umsätze generiert werden, die beispielsweise Google mit seinen Suchmaschinen-Anwendungen realisiert.

Twitter ist nicht mehr einzigartig
Vor einigen Jahren war es aufregend, wenn Einzelne annehmen konnten, sie wären beim Leben von Stars und Prominenten dabei. Denn diese sendeten und senden in einer Art Rund-SMS Textbotschaften – beispielsweise mit einer Länge von bis zu 160 Zeichen. Die Begrüßungsseite von Twitter bezeichnet dies auch heute noch als Hauptvorteil: „Updates von Deinen Freunden, Prominenten und Experten in Echtzeit“. Doch wie sollen Textbotschaften mithalten mit der multimedialen Welt von Plattformen, auf denen man gleichzeitig Videos oder Urlaubsbilder speichern kann? Schon bald war es für viele zu mühselig, die hundertste oder tausendste Antwort von Fans auf die Rundmail des Prominenten oder Experten zu lesen. Und monoton war es auch, beispielsweise das hundertste Kommentar zur Botox-Behandlung der Gesichtsfalten von einem x-beliebigen Sternchen zu lesen. Deshalb suchte sich die Internet-Gemeinde bald neue faszinierende Programme, mit denen sich die Menschen vernetzen und diese zugleich als Plattform für neue Geschäfte und Kundenakquise nutzen konnten. Vielleicht hatte und hat der Betreiber von Twitter einfach nur zu wenig Werbeeinnahmen, um die Plattform multimedial auszubauen. Deshalb verschieben sich Aufmerksamkeit und Geschäftseinnahmen rasant auf andere Plattformen.

Internet-Agenturen entwerteten die Textbotschaften
Zudem hat sich das Internet inklusive schneller Anschlüsse zunehmend verbreitet. Das Alleinstellungsmerkmal Neuigkeit und Schnelligkeit zieht ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Und schon bald abonnierten auch die Internet-Agenturen und Plattformen die entsprechenden Kurzmitteilungen bzw. Twitter-Botschaften und übernahmen diese in ein eigenes Angebot. Noch ein paar Hintergrundberichte oder Fotostrecken aus dem Archiv dazu und schon war das Internet-Angebot perfekt. Zudem sind in den meisten hoch entwickelten Ländern Nachrichtenkanäle jederzeit verfügbar und verbreiten jede für die Allgemeinheit wichtige Nachricht als „Breaking News“ oder Eilmeldung. Insofern bekam Twitter nicht nur wie im ersten Kapitel beschrieben Konkurrenz durch neue Technologien und speicherintensive Anwendungen, sondern von Unternehmen aus der Nicht-Internet-Welt und aus dem Verlagswesen. Twitter verlor also in beide Richtungen.

Twitter wird in einer Nische oder als Fenster überleben
Beide oben beschriebenen Trends bedeuten einen langsamen, schleichenden Bedeutungsverlust von Twitter. Hinzu kommt, dass sich die Wirtschaftspresse und Finanzfachleute sehr schnell noch größeren, noch gewinnbringenderen Unternehmen widmen. Da Twitter wohl auf lange Zeit keine Milliardenerlöse einspielen wird, liegt der Fokus auf Facebook. Facebook ist sozusagen eine Art Twitter 2.0 – heute noch ultraschick, doch ständig von neuen Dienstleistungen und Ideen bedroht. Oder die neuen Schnäppchen-Portale bzw. Kuponanbieter: Diese versprechen echten Rabatt alleine durch Ausdrucken oder Kauf entsprechender Kupons. Deshalb wenden sich die Menschen diesen Anwendungen zu, diese versprechen Geldwert und Einsparungen. Twitter wird dann in einigen Jahren sicherlich als Markenname oder Firma komplett weiterverkauft und als Fenster in Chatprogrammen oder anderen Anwendungen überleben.

Die Entwicklung von Twitter beschreibt in einzigartiger Weise die Schnelligkeit der Geschäftsmodelle im Internet und die andauernde Notwendigkeit von unternehmenserhaltenden Maßnahmen. Wer sich nicht weiterentwickelt und auf der Technologie verweilt, der sieht nur noch Schrumpfung. Dies kann auch ein wichtiger Hinweis für die Volkswirtschaften sein: Innovationsfähigkeit in der IT-Industrie ist absolutes Muss und die Wendigkeit und Pfiffigkeit der Unternehmer und Unternehmen darf keinesfalls von Bürokratie eingeengt oder aufgefressen werden. Im Falle von Twitter genügten der technische Fortschritt und Flatrates inkl. SMS-Versand einiger Netzbetreiber, um das Wachstum des Geschäftsmodells jäh zu stoppen. Diese Entwicklung geschah in weniger als fünf Jahren – beeindruckend!

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